Carmen, das Münchner Kindl

Wenn wir an München denken, was kommt uns da in den Sinn? Snobs, eine Kleinstadt-Attitüde, der FC Bayern? Das normale Münchner Touristen-Klientel ist nicht der klassische, Strand-, Museum-, Sehenswürdigkeiten- Schlag, sondern mehr die „H&M, uh ein Desigual und Levis-Shop, sowas gibt es bei uns daheim ja gar nicht“ Art. Der Münchner Tourismus findet zu ganz großen Teilen am Marienplatz, Odeonsplatz, im Tal, und, wenn es hoch kommt, am Viktualienmarkt statt. Das ist schade, aber genau hier setzt Carmen Finkenzeller an. Am Ende des Tages zählt für sie nicht primär, wie viel Wissen sie genau vermittelt hat, sondern, ob sie wenigstens einen kleinen Teil ihrer „innigen“ Liebe, die sie für München empfindet, weitergeben konnte, oft für Einheimische oder Gäste aus der Region. München ist ihre Heimat. Natürlich ist sie trotzdem nicht blind für manche Dinge, die vielleicht nicht so gut laufen, und erwähnt das auch bei passender Gelegenheit in ihren Führungen und regt damit oft auch wieder die Diskussion und Kommunikationskultur zwischen Stadtführerin und Geführten an. Aber Carmen ist stolz auf ihre Heimat und den dazu gehörigen Dialekt, ein Dialekt, der in München in den letzten Jahren eher zur Ausnahme geworden ist. Eine Tragödie für Carmen. „Das hat sich aber erst in den letzten 20 Jahren verändert“. Dialekt würde deutschlandweit als Ausdruck einer Identität zu wenig gepflegt. Wer Dialekt spricht, ist ihr gleich sympathisch. Hier ist aber nicht nur das Bairische gemeint, sie freut sich über jeden Dialekt. Dialekt gibt einer Stadt Flair, nicht ohne Grund steht sogar auf ihrer Webseite: „Es deaf sprachlich bei mia a imma gern auf Münchnerisch sei!“ Und das meint sie auch im Ernst, denn scheinbar nicht nur sie ist vom Bairischen fasziniert. Immer mal wieder werden Führungen sogar speziell auf Münchnerisch angefragt. Bairisch und Münchnerisch stellt sich so mehr als Relikt und Sehenswürdigkeit als ein echter Teil der Tradition dar, auch wenn der Dialekt aus München bei weitem nicht verschwunden ist, meint Carmen, am Viktualienmarkt ist es noch fast wie früher. Natürlich gibt es manchmal hier und da einen nachäffenden Kommentar eines Schülers, aber dem begegnet Carmen mit Humor und hat so meistens die Lacher wieder auf ihrer Seite.