Carmen, die Kreative

Aber wie behauptet man sich in diesem Umfeld, einem Umfeld, das laut Carmen mehr und mehr durch Konkurrenzkampf geprägt ist? Grund dafür ist ein viel größeres Angebot und die Problematik, dass jeder, auch die, die früher nur ihre eigenen Sparten bedient haben, angefangen hat zu expandieren.  

Man behauptet sich mit Ehrlichkeit, indem man zu seinen Defiziten steht, sich auf das konzentriert, was man gut kann, und indem man neue Ideen hat. Neue Ideen sind das Stichwort. Carmen führt nicht nur Menschen durch die Innenstadt Münchens, sondern sie plant auch viele Touren. Dies kann bis zu 100 Stunden dauern. Ein Zeugnis dieser Kreativität ist etwa die Lügentour. Dies ist eine Tour, die sich eigentlich gegen den Grundsatz eines jeden Stadtführers sträubt, denn: Man erzählt nicht die Wahrheit. Eine Lüge nach der anderen, eine außergewöhnlicher als die nächste. Trotzdem sind manche Aussagen wahr oder vielleicht sind sie es auch nicht. Das müssen die Besucher herausfinden, nach dem bereits oben erwähnten Motto „Was man selbst herausfindet, bleibt hängen“. Die Besucher suchen Brezen in Kirchen, lauschen Geschichten über das Schlüsselbein von Heinrich dem Löwen und müssen erraten, ob alle Kirchenglocken in München wirklich musiktheoretisch zusammenpassen. Die Lügentour, die es für Kinder und Erwachsene an verschiedenen Standorten gibt, ist somit ein Zeugnis dieser unbändigen Kreativität, die man als Stadtführer*in an jedem Tag der Woche aufbringen muss. Leider gibt es keine Möglichkeit, sich solche Konzepte wie das der Lügentour in irgendeiner Form zu sichern, geschweige denn zu patentieren, sodass die ganze investierte Arbeit unter Umständen schon bald nicht mehr viel wert ist.